Früher war es mein absoluter Horror, im Mittelpunkt zu stehen.
Egal ob es um die Schule, Freizeit, oder Musikaufführungen ging: es war mir immer am liebsten, ich kann mich im Hintergrund aufhalten, um bloß nicht gesehen zu werden.
In der Schule haben meine mündlichen Noten den Schnitt nicht unbedingt angehoben. Die Wintermütze hab ich in Sichtweite des Schulgebäudes schon abgenommen, damit niemand denkt, ich sehe doof aus. Beim Tag der offenen Tür der Musikschule musste ich nach einem verpatzten Fehlstart erstmal durchatmen und im Sitzen neu starten, weil ich zu aufgeregt war.
Diese Angst verging nur langsam, Stück für Stück. Durch einen Nebenjob in der Tanzschule, durch den in jeder Arbeitsschicht ständig dutzende Paar Augen auf mich gerichtet waren. Durch das Kennen- und Liebenlernen des Berufs “Dolmetscher” und die Einsicht, dass ich in diesem Beruf nicht still im Hintergrund bleiben kann. Und durch die Erkenntnis, das es sich eher langweilig lebt, wenn man sich immer ausschließlich am Rand aufhält 😉.
Heute macht es mir rein gar nichts mehr aus, wenn meine Zuhörerschaft bei einem Simultaneinsatz sich umdreht und in die Kabine schaut, um das Gesicht zur Stimme zu sehen, die sie im Ohr haben. Oder wenn ich eine Festrede konsekutiv auf der Bühne dolmetschen muss und ein Raum voller Menschen darauf wartet, dass ich beginne zu sprechen.
Und ich bin froh darüber: diese Entwicklung hat mir erlaubt, den Beruf auszuüben, der mich erfüllt, und freier und offener zu werden.