„Englisch kann ja jeder.“

Ein Satz, den ich als Konferenzdolmetscherin erstaunlich oft höre.
Und doch erlebe ich in genau denselben Situationen etwas ganz anderes:
Zurückhaltung. Unsicherheit. Manchmal sogar Scham.

Warum?
Viele Menschen haben irgendwann in ihrem Leben Englisch gelernt – in der Schule, im Studium, im Job. Das erzeugt eine stille Erwartung: Ich müsste das doch eigentlich verstehen.
Wenn es dann in einer Konferenz, einem Fachvortrag oder einer Diskussion plötzlich nicht mehr so leicht fällt, entsteht ein unangenehmes Gefühl.
Niemand möchte als „derjenige“ oder „diejenige“ gelten, der oder die nicht mitkommt.

Die Folge:
👉 Fragen werden nicht gestellt
👉 Inhalte werden nur teilweise verstanden
👉 die Beteiligung sinkt

Und genau hier zeigt sich, warum „Englisch kann ja jeder“ ein Mythos ist – zumindest im professionellen Kontext.

Denn:
👉 Fachsprache ist kein Schulenglisch
👉 Akzente, Sprechtempo und kulturelle Nuancen erschweren das Verstehen zusätzlich
👉Komplexe Inhalte verlangen kognitive Ressourcen, die über reines Sprachverständnis hinausgehen

Eine professionelle Dolmetscherin schafft hier einen sicheren Raum.
Sie nimmt den Druck raus.
Sie sorgt dafür, dass alle wirklich folgen können – unabhängig vom eigenen Sprachlevel.
Und sie ermöglicht echte Teilhabe statt stillem Mitlaufen.

Dolmetschen ist daher kein „Luxus“, sondern ein Werkzeug für Klarheit, Präzision und Augenhöhe.
Oder anders gesagt:
Nicht, weil niemand Englisch kann, braucht es Dolmetscher.
Sondern weil alle wirklich verstehen sollen.

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