Als Dolmetscherin bei Notarterminen erlebe ich immer wieder interessante und witzige Geschichten.
Ein Termin bleibt mir zum Beispiel im Gedächtnis, da der Käufer einfach nicht aufgetaucht war. Die Notarin, Verkäuferin und ich saßen da und warteten – genau wie die Frau des Käufers, die vergeblich versucht hatte, ihren Mann zu erreichen. Irgendwann hat sich dann rausgestellt, dass die Bahn verspätet und der Käufer irgendwo im Nirgendwo gestrandet war.
Oder ein anderes Mal, als ich dem Käufer eine Passage im Text erläutern sollte, die er nicht ganz verstanden hatte, und die Maklerin ein Wort im Englischen gehört hatte, das sie als fehlplatziert empfand, sodass sie die Erklärung selbst übernehmen wollte – eine Situation, in der wir Englischdolmetscherinnen uns ab und an durchaus wiederfinden. Nach einigen erfolglosen Versuchen konnte ich dann wieder übernehmen und am Ende waren alle Parteien informiert und glücklich.
Ein drittes Mal musste der Termin kurz unterbrochen werden, damit die Parteien nochmal sichergehen konnten, dass auch wirklich die richtige Eigentumswohnung verkauft wird.
Aber das gefällt mir an Notarterminen: obwohl die Inhalte sich irgendwann wiederholen, sind die Beteiligten und deren Geschichten jedes Mal anders. Man erlebt das ganze Spektrum menschlicher Emotionen und Situationen aus dem Leben; von der aufgeregten Erstkäuferin bis zum Unternehmer, der schon zum zehnten Mal eine GmbH gründet.